Vielleicht machen sich die Schüler aus dem oberen Edertal über diese Fragen auch gar keine Gedanken, weil sie ja noch einige Jährchen in die Schule gehen und ihr Abitur machen wollen. Doch zumindest haben die Jugendlichen aus der Klasse von Lehrer Thomas Krane nun erfahren, dass eine gute Vorbereitung und ein außergewöhnliches Firmenkonzept erforderlich sind, um ein eigenes Unternehmen zu gründen und erfolgreich zu führen. Und der Wirtschaftsförderer Siegfried Franke und Dr. Peter Sacher vom IHK- Servicezentrum Waldeck-Frankenberg wissen seit gestern, dass auch Neuntklässler das Thema Existenzgründung spannend finden. Deshalb sollen sich künftig viel mehr Schüler mit diesen Fragen beschäftigen. Im Rahmen des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft will Franke nun dafür werben, „dass dieses neue Modell“ in möglichst vielen Schu len im Landkreis Einzug hält.
Eigenen Business-Plan erstellt
Vor fünf Jahren hatte der Wirtschaftsförderer erstmals mit Schülern aus Gemünden einen Workshop zu dem Thema Existenzgründung veranstaltet – als langfristige Vorbereitung ihres Wechsels von der Schule in die Berufswelt. Zumindest bei den „G“-Schülern wurde dieser Austausch seitdem nicht mehr betrieben. Erst Klassenlehrer Thomas Krane hat diese Form des berufsvorbereitenden Unterrichts in dieser Form wiederentdeckt, „obwohl der Lehrplan diese Inhalte gar nicht vorsieht“. Im Politik- und Wirtschaftsunterricht haben sich die 15-Jährigen mit Firmengründungen befasst. In sechs Gruppen mit jeweils vier Schülern sollten die Jugendlichen aus dem oberen Edertal ein Unternehmenskonzept für einen eigenen Schnellimbiss in Battenberg erarbeiten. Sie gestalteten in zwölf Unterrichtsstunden Titelblätter für ihren Business-Plan, erarbeiteten ein Unternehmenskonzept, zeichneten einen Grundriss ihrer Firma, beschäftigten sich mit der Einrichtung ihres Lokals, ermittelten den Investitionsbedarf, stellten eine Kalkulation auf, entwarfen eine Speisekarte und überlegten sich geeignete Werbemaßnahmen. „Für den Wissensstand sind das bereits hervorragende Konzepte“, lobte Rainer Kramer von der Unternehmens- beratung KIZ die Entwürfe der jungen „Geschäftsführer“ von „Tutti Frutti“, „Japan meets Germany“, „Batatas“, „Quick Pizza“, „Schnellimbiss lange Würstchen“ und „Tropical Beach“. Es gebe viele Existenzgründer, die „weniger gut vorbereitet sind“, lobte er die Schüler. Und auch Sacher sah „keinen deutlichen Unterschied zu dem ein oder anderen Gründer, der in der Gastronomie sein Glück versuchen will“.
Vorbereitung aufs Praktikum
In den Räumen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Unternehmenspark Nord informierten Franke, Sacher und Kramer über die Aufgaben der Wirtschaftsförderung, über die Angebote einer Industrie- und Handelskammer und die Begleitung von Existenzgründern. Sie erläuterten den Schülern die Schritte in die Selbstständigkeit und erklärten ihnen anhand des Gründersterns, auf was es ankommt: von der Geschäftsidee, der Wahl des Standorts sowie der Analyse der Konkurrenz- und der Marktsituation bis zur Finanzplanung. In Kleingruppen analysierten die Experten mit den Schülern die Konzepte, wiesen auf Defizite oder auch Denkfehler hin: Dass die Einnahmen etwa höher sein müssen als die Ausgaben, um ein Unternehmen zu führen. Dass ein Alleinstellungsmerkmal erforderlich ist, um erfolgreich zu sein. Und dass die demograische Entwicklung ein Faktor ist, der bei einer Existenzgründung nicht zu vernachlässigen ist. Lehrreich war der Workshop aber nicht nur für die Schüler, die „das Konzept ganz anders gestaltet hätten, wenn wir diese Informationen schon früher gehabt hätten“, wie eine Neuntklässlerin betonte. Denn bei Sacher, Kramer und Franke kam die Kritik der Jugendlichen an, dass die einleitenden Vorträge zu theoretisch gewesen seien. Sollte aus diesem Pilotprojekt eine Veranstaltungsreihe werden, will Franke die Grundlagen bereits in der Schule legen. Denn grundsätzlich ist der Wirtschaftsförderer davon überzeugt, dass Schüler „frühstmöglich auf das Arbeitsleben vorbereitet werden müssen. Und es ist wichtig zu wissen, dass auch eine Selbstständigkeit eine Alternative sein kann“. Klassenlehrer Krane dachte nach dem erfolgreich verlaufenen Versuch einen Schritt kürzer. „Das war eine sehr gute Vorbereitung für das Praktikum in zwei Wochen. Ich hoffe, dass die Schüler jetzt mit ganz anderen Augen in die Betriebe gehen.“
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